Page 14 - unsere brücke / Dezember 2023 bis Juni 2024
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 Mag.a Barbara Thielly
Liturgiereferentin, Linz
„Mit einem Vaterunser beschließen wir immer unsere Finanzbespre- chungen“, hatte mir vor einiger Zeit ein diözesaner Mitarbeiter gesagt. Das hat mich bewegt. Es hat mich berührt und nachdenken lassen darüber, dass es immer wieder um den rechten Geist geht, der unser Handeln für und in den Pfarrgemeinden leiten möge, dass es darum geht, als Christ/als Christin Entscheidungen zu treffen, die die Botschaft Jesu aufstrahlen lassen. Und dafür ist es gut, sich immer wieder betend an Gott zu wenden und uns in seine Gegenwart zu stellen.
Insofern ergibt sich eine Vielfalt an Feierformen im liturgischen Bereich wie von selbst: Höhepunkt der Woche ist der Sonntag mit dem gemein- samen Gottesdienst. Das Zusammentreffen des Pfarrgemeinderats ist aber am Donnerstag, sodass hier eine kurze Andacht am Beginn steht. Und mittwochs beten ein paar Menschen aus der Pfarre den Rosen- kranz für den Frieden. Am Ende der Chorprobe am Dienstag laden die Sänger:innen noch zu einem kurzen Nachtgebet in der Kirche ein, offen für alle aus der Pfarre.
Das ist zwar jetzt idealtypisch formuliert, aber in diese Richtung könnte es gehen. Immer wieder kommen wir in meinem Arbeitsbereich (in der Fachstelle Liturgie) darauf zu sprechen, wie wichtig es sei, unsere Kir- chen als Orte des Gebetes wahrzunehmen. In fast jeder Pfarrgemeinde gibt es regelmäßig gepflegte Gebetsformen und darüber hinaus lassen sich – wie oben erwähnt – weitere Gelegenheiten des Zusammenkom- mens mit einer Andacht oder einem Abendlob etc. in der Kirche verbin- den. Diese Liturgien können ruhig auch im Gottesdienst-Wochenplan aufscheinen!
Vielen Menschen tut es gut, sich in einem gemeinschaftlichen Gebet mittragen zu lassen. Auch wenn nur in wenigen Pfarrgemeinden die Tagzeitenliturgie gepflegt wird, möchte ich sie hier nennen. Klassisch wurden diese Gebetszeiten an Wendepunkte des Tages gelegt: an den Morgen, an Mittag und Abend, also in den Tagesrhythmus der Men- schen „eingepasst“. Heute ist zu überlegen, wann es für die Menschen im Umfeld am günstigsten ist. Dies ist abhängig von der Lebensorgani- sation vor Ort, zum Beispiel von der Zeit, welche die Menschen brau- chen, um vom Arbeitsort gut nachhause zu kommen. Oder umgekehrt: Zu Mittag sind viele Menschen da, welche in ihrer Mittagspause einen „Ruheplatz zum Gebet“ zu suchen.„Es ist nicht die Aufgabe der Tag- zeitenliturgie, die Zeitorganisation der Gläubigen zu ändern (...) Im Gegenteil: Als kleiner Gottesdienst für zwischendurch wollen sie ihre Umklammerung durch den Alltag (...) heilsam aufgreifen.“1
Um die Tagzeiten alltagstauglich zu machen, bedarf es einer gewissen Form der Einfachheit und auch Wiederholbarkeit. Da man als Laie
Kleine Gottesdienste für zwischendurch
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