Page 15 - unsere brücke
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 Eine schwierige Situation durchlebt auch Hiob. Er führt ein gottwohl- gefälliges Leben und plötzlich werden ihm durch tragische Gescheh- nisse Hab und Gut, die Gesundheit und sogar seine Kinder genom- men. So hören wir, dass „sein Schmerz sehr groß war.“ (Ijob 2,13) In dieser Situation kommen drei seiner Freunde zu Besuch, die von den Ereignissen Kenntnis genommen haben. Ihre Freundschaft zeigt sich einerseits darin, dass sie einen weiten Weg und somit große Mühe auf sich nehmen, um Hiob beizustehen. Als sie ankommen, ist Hiob der- art in Trauer, dass er nicht sprechen will und so harren sie sieben Tage bei ihm aus, ohne zu sprechen. Anschließend versuchen sie ihm andererseits aber mit durchaus kritischen Worten in seiner Situation weiterzuhelfen. – Auch das kann man von einem Freund erwarten: ehrliche Rückmeldung und Kritik. Denn, wer sagt schon jedem zu jeder Zeit, was er sich wirklich über die Verhaltensweisen seines Gegenübers denkt? Sehr oft ist es doch so, dass bevor wir unliebsame Kritik direkt üben, lieber mit Dritten über die Schwächen anderer reden. Das ehrliche, wenn auch harte Wort eines Freundes ist deshalb Gold wert. Sir 22 zeigt uns, dass solche Kritik natürlich in Brüderlich- keit geschehen soll und nicht in „Beschimpfung oder Hochmut“.
Trotz all dieser richtigen Aspekte, meine ich, dass sich eine Freund- schaft immer zunächst aus schönen Erfahrungen, aus gemeinsamen Sternstunden nährt und aus der Erfahrung, jemandem bedingungslos vertrauen zu können. So schließe ich wieder mit Sirach „Für einen treuen Freund gibt es keinen Gegenwert, seine Kostbarkeit lässt sich nicht aufwiegen“.
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