Page 9 - unsere brücke / Juni bis Dezember 2023
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 Wenn wir dann dem Beispiel Jesu folgend gemeinsam zu Gott
„Vater unser“ sagen, bekennen wir uns als seine Kinder und somit un- tereinander als Geschwister. Schließlich wird der Empfang des Leibes Christi als „Kommunion“ bezeichnet. Die lateinische Wurzel „Commu- nio“ bedeutet „Gemeinschaft“. Wie der heilige Augustinus sinngemäß sagt, empfangen wir mit dem „Leib Christi“ das, was wir sind, damit verbunden aber auch den Auftrag, zu leben was wir sind: Leib Chri-
sti („Seht, was ihr seid und werdet, was ihr seht – der Leib Christi!“). Augustinus nimmt damit Bezug auf den Vergleich des Leibes Christi mit dem menschlichen Leib, den der Apostel Paulus schon verwendet hat: Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist
es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen. [...] Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.“
(1 Kor 12,12f.27)
Paulus erlebt in Korinth auch schon erste Spaltungen unter den Christen. Sie sind ärgerlich für ihn, weil sie dem gemeinsamen Essen des Herrenmahls widersprechen. Im Blick auf den einen Leib (Christi), in den wir hineingetauft sind, ist die im weiteren Verlauf der Kirchen- geschichte erfolgte Aufspaltung in verschiedene christliche Konfes- sionen, die keine Eucharistiegemeinschaft mehr haben, ein großer Skandal. Die ökumenischen Bemühungen, wieder gemeinsam als Gäste am Tisch des Herrn Platz zu nehmen, sind folglich von großer Dring- lichkeit.
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