Page 23 - unsere brücke / Juni bis Dezember 2023
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„Warum ich gerne Priester bin?“
Mit dieser Frage tu ich mir etwas schwer; zunächst, weil ich über mein Priester-Sein eigentlich wenig nachdenke. Zum anderen, weil ich in mir eine doppelte Berufung spüre (was bei uns Jesuiten öfters vorkommt): Einerseits die Berufung zum Thema Glauben, und andererseits die Berufung zum Thema Musik. Beidem möchte ich gerecht werden, in meinem Leben und hier in diesem Artikel.
Zum Thema Glauben: Ich bin als Kind gläubig aufgewachsen und habe diesen Glauben nie verloren, sondern er hat sich weiterentwickelt, wofür ich sehr dankbar bin, auch für alle Anregungen durch die Kirche. Ich bin viel unter Menschen und führe sehr gerne tiefe Gespräche. Und dazu habe ich als Priester viele Möglichkeiten: In den Pfarren, in denen ich wirkte bzw. immer noch wirke; im Krankenhaus, wo ich als Seelsor- ger tätig bin; aber das kann auch bei einem Straßenfest oder woanders sein. Besonders Kinder und Jugendliche liegen mir da sehr am Herzen.
P. Werner Hebeisen SJ
Seelsorger an der Ignatiuskirche Alter Dom und
im Ordensklinikum Linz Elisabethinen.
  Zum Thema Musik (ich schreibe und singe Lieder und musiziere auf verschiedenen Instru- menten): Ich trete in unserem hauseigenen Theatersaal auf, aber auch in Pfarren, Gefäng- nissen, Krankenhäusern etc. Natürlich könnte ich das auch tun, wenn ich kein Priester wäre. Aber es hat doch einen Bezug zu meinem Glauben, und oft auch zu meiner Funktion als Priester. So singe ich meistens bei Messen ein Lied und begleite es auch auf der Gitarre; und nach der Kommunion
spiele ich meist ein meditatives Stück auf meiner Schoßharfe.
Wenn ich beides zu- gleich mache: Musik und Glaubensverkün- digung (und auch gute Unterhaltung!), dann bin ich sehr glücklich! So freut es mich sehr, wenn es mir gelingt, Messbesucher in der Predigt zum Lachen zu bringen!
Also: Der Kontakt mit Menschen, besonders in kirchlichen Settings, das Gespräch, das Feiern; und andererseits das Musizieren, sei es als Konzert oder gemeinsam: Das ist schon sehr erfüllend! So bin ich Gott für meine Berufung sehr dankbar – auch wenn es nicht immer leicht war, meinen Berufungsweg (samt seinen Verästelungen) zu finden und zu gehen! Aber es zahlt sich aus!!
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