Page 16 - unsere brücke / Juni bis Dezember 2023
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 Mag. Martin Brait
Pastoralvorstand der Pfarre Schärding
„Ich gehöre dazu“ ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Dieses nahm Jesus sehr ernst: Er führte Menschen zusammen, stellte be- wusst „Randfiguren“ in die Mitte und betete um Einheit seiner Jünger*innen.
Das Christentum folgt dieser Haltung Jesu: Man war von Anfang an bemüht, Gemeinden zu bilden. Christentum geht nicht als „indivi- dualistischer Heilsweg“, sondern nur gemeinsam. Theologisch gespro- chen: Gemeinschaft ist eine „Grundfunktion“ von Kirche, ebenso wie Verkündigung, Caritas und Liturgie.
Wenn sich die Kirche in Oberösterreich mit dem Zukunftsweg „Kirche weit denken“ neu aufstellt, ist ein wesentliches Ziel die Erhaltung lebendiger Glaubensgemeinschaften am Ort. Denn, vor allem am Land, spielt sich hier das soziale Leben ab: Kindergarten, Schule, Vereine, Ge- meindeamt, Lebensmittelgeschäft, Gasthaus usw., das bedeutet Heimat, hier kennt man sich und begegnet einander. In diesem Umfeld leben wir als glaubende Menschen. Deshalb werden die bisherigen Pfarren eines Dekanates keine bloßen Filialen, sondern Pfarrgemeinden, ge- leitet von einem Seelsorgeteam und dem Pfarrgemeinderat.
Dieser Umstellungsprozess ist mühsam. Es beginnt im Kopf, denn das gewohnte Kirchturmdenken muss einem Netzwerkdenken weichen. Die neue Pfarre Schärding z.B. ist ein Netzwerk von zwölf Pfarrge- meinden und weiteren „Pastoralen Orten“ wie Seelsorge im Kranken-
haus oder Altenheim, Caritas-Einrichtungen, Religionsun- terricht und vieles mehr. Und es endet bei der Suche und Begleitung von Menschen, die sich engagieren. Schließlich hat sich in jeder Pfarrgemeinde ein Seelsorgeteam gefun- den: Ehrenamtliche, die gemeinsam mit einem Priester oder einem*einer hauptamtlichen Seelsorger*in, die Pfarr- gemeinde leiten.
Es ist schön zu erleben, wie die Seelsorgeteams langsam in ihre Aufgaben hineinwachsen. Es entsteht ein Team- geist, der sie gegenseitig stützt und motiviert.
Auch auf der Pfarrebene entsteht ein Gemeinschaftsnetz: wenn sich die mehr als 70 Seelsorgeteammitglieder zur gemeinsamen Ausbildung treffen; wenn die Pfarrsekretä- rinnen sich neben den Dienstbesprechungen zum gemein- samen Frühstück verabreden; wenn die Priester und Seelsorger*innen zu intensiverer Zusammenarbeit her- ausgefordert werden...
Wir wachsen zusammen in der neuen Pfarre, mit fast täg- lich neuen Herausforderungen – und vielen Lichtblicken.
Die neue Pfarre als Netzwerk von Gemeinschaften
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