Page 14 - unsere brücke / Juni bis Dezember 2023
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In Gemeinschaft leben
„Lust und Last“ eines Lebens als Ordensfrau
„Was ist eigentlich der Mehrwert des Lebens in einer Ordensgemein- schaft?“, werde ich bei manchen Gelegenheiten gefragt.„Hättest du alleinlebend nicht mehr Freiheiten, könntest du vielleicht mehr DEIN Leben leben?“, ist dann eine selbstgestrickte Denkweise von auch kirchennahen Skeptikern des Ordenslebens.„Da kannst du sicher leich- ter aus dem Trubel der Welt in spirituelle Ebenen eintauchen“, meinen andererseits sehnsuchtsvoll manche Idealisten.
Beide Aussagen berühren das Bedürfnis nach erfülltem Leben, das in uns grundgelegt ist. Jeder und jede von uns will in Freiheit das eigene Leben zur Entfaltung bringen und ist eingeladen, sich gestaltend in die Welt einzubringen. Räume, in denen wir Kraft schöpfen können - in der Beziehung mit lieben Menschen, mit der Natur, mit uns selbst, ja mit Gott – wir brauchen sie dazu wie die Luft zum Atmen.
Ist das Leben in einer Ordensgemeinschaft diesem Grundbedürfnis nach Leben förderlich? Oder behalten jene Recht, die meinen, dass Ordensleben großteils mit Verzicht an Leben verbunden ist, also mehr Last ist als Lust?
Ein Blick in MEINE Ordensgeschichte kann eine Annäherung an eine Antwort sein. Ich möchte Sie jedenfalls an einigen Erfahrungen teilha- ben lassen und beschreiben, welche Bedeutung Gemeinschaft für mich im Laufe der Zeit gewonnen hat.
Ich habe mich nach einem längeren Suchweg 2005 den Salvatoriane- rinnen angeschlossen, einer apostolischen Gemeinschaft. Salopp wird von „tätigem“ Orden gesprochen, aber das entspricht nicht meinem Verständnis von unserem Charisma: Wir wollen Menschen durch
unser Leben mit Jesus, dem SALVATOR, dem Heiland, in Berührung bringen. Wir wollen Begegnungsräume schaffen, Seelsorgerinnen sein und uns für Menschen engagieren, deren Lebensperspektiven bedroht sind. Letztlich hat mich die Faszination an der Person Jesu, und die
Art wie Salvatorianerinnen in ihrem Engagement und Leben Nach- folge Jesu verstehen, in die Gemeinschaft geführt.„Jesus Christus ist Mitte und Quell unseres Lebens“ heißt es dazu in unserer Lebensregel. Gemeinschaft – für mich Unterstützung bei der Ausrichtung auf meine / unsere Lebensquelle.
Seit meinem Eintritt lebe ich in unterschiedlichsten Konstellationen gemeinsam mit anderen Salvatorianerinnen zusammen. Während meiner Noviziatspraktiumsaufenthalte in Rumänien und Palästina und während eines längeren Treffens mit Salvatorianerinnen aus der ganzen Welt in Rom konnte ich auch interkulturelles Gemeinschafts- leben erfahren. Auch wenn uns eine ähnliche Sehnsucht zusammen-
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Sr. Martina Winklehner SDS
 






















































































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