Page 15 - Unsere Brücke - Ausgabe 06 2021
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zehr von Brot und Wein auszeichnet.
Die berührendste Begegnung mit dem Auferstandenen ist für mich immer noch jene am See Genesareth. „Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.“ Ähnlich ist es mit den Emmausjüngern, die lange mit Jesus unterwegs sind, aber ihn erst „erkannten als er Brot brach“ (Lk 24,35).
Wenn der Auferstandene zuallererst gerne zum Essen einlädt, sagt uns das auch etwas über unsere Glaubenspraxis. Essen, Gastfreundschaft, Tischgemeinschaft, das sind für einen Christgläubigen nicht nebensäch- liche Alltagserscheinungen, sondern vielmehr wichtige Bestandteile dessen, wie wir unseren Glauben im Alltag verwirklichen können. Der Schöpfer hat uns so geschaffen, dass wir tagtäglich „Nachschub“ von seiner Schöpfung brauchen, um leben zu können.
Wir können uns in Österreich glücklich schätzen, diesen schöpferischen Nachschub auch jeden Tag bekommen zu können. Gerade weil wir da- durch aber jeden Tag beim Essen auf die Schöpfung verwiesen sind, sol- len wir uns das auch zum Anlass nehmen, Nahrungsmittel zu verwerten, mit denen wir die Schöpfung nicht mit Füßen treten. „An dem, was sie essen und wie sie essen, kann man erkennen, was sie wirklich sind und welchen Platz sie in der Gemeinschaft einnehmen dürfen“.3
Dieses Zitat bringt deutlich einen Aspekt zum Ausdruck, der ebenso wichtig ist, wie die Beschaffung und Herkunft der Lebensmittel: die Tischgemeinschaft. Bei uns im Linzer Priesterseminar gibt es zwei Elemente, die uns zeitlich zusammenhalten: das gemeinsame Gebet und die gemeinsamen Mahlzeiten.
„Wer in Brot und Wein die Erde schmeckt, die diese Lebensmittel her- vorgebracht hat, kostet zugleich den Himmel. Und wer den Geschmack des Himmels auf seiner Zunge wahrnimmt, wird mit der Erde so behut- sam umgehen wie der, der sie ihm anvertraut hat.“ 4
Wertschätzung gegenüber dem, was auf den Tisch kommt zeigt sich zu- allererst im Tischgebet – es gibt uns Gelegenheit, die Gnade zu vergegen- wärtigen, dass es nicht selbstverständlich ist, vor einem vollen Teller zu sitzen. Seien es das Fleisch oder die eigenen Tomaten – wir müssen un- sere Lebensmittel als höheres Gut schätzen.
1 Michael Rosenberger: Im Brot der Erde den Himmel schmecken, Würzburg 2014, 122.
2 ebd. 142.
3 Jakob Tanner: Der Mensch ist, was er ist. Ernährungsmythen und Wandel der Esskultur, in: Historische Anthropologie 4 (1996), 404.
4 Michael Rosenberger: Im Brot der Erde den Himmel schmecken, Würzburg 2014, 413.
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